Einsamkeit im Alter ist nicht nur ein persönliches Problem, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung mit Folgen für Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Gerade für ältere Menschen ist es oft schwer, Einsamkeit aus eigener Kraft zu überwinden. Zwar gibt es inzwischen zahlreiche Angebote gegen Einsamkeit, bislang ist jedoch wissenschaftlich nur begrenzt abgesichert, welche dieser Maßnahmen sozial besonders belastete Menschen tatsächlich erreichen und in welchem Ausmaß sie Einsamkeit reduzieren können.
Vor diesem Hintergrund hat das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) die Silbernetz-Hotline evaluiert. Silbernetz ist ein anonymes und niedrigschwelliges Gesprächsangebot für ältere Menschen, das täglich telefonisch erreichbar ist. Die Hotline richtet sich insbesondere an Menschen, die sich einsam fühlen und sich Austausch und ein offenes Ohr wünschen.
Bundesfamilienministerin Karin Prien: „Einfach mal reden kann für einsame Menschen einen großen Unterschied machen. Die Studienergebnisse belegen eindrücklich, wie wirksam vermeintlich kleine Gesten gegen Einsamkeit sein können. Sie ermutigen uns alle aufmerksam zu sein und hinzuschauen in unserem Umfeld. Ich danke dem Deutschen Zentrum für Altersfragen und dem Silbernetz e. V. für dieses wertvolle Projekt. Mit der Evaluation stärken wir das Wissen über die Wirksamkeit von Angeboten gegen Einsamkeit. Mit der Allianz gegen Einsamkeit wollen wir helfen, solche Erkenntnisse zu sammeln, um Einsamkeit ganz konkret zu bekämpfen.“
Dr. Oliver Huxhold (Deutsches Zentrum für Altersfragen): „Unsere Ergebnisse zeigen, wie wertvoll anonyme und niedrigschwellige Gesprächsangebote wie Silbernetz gerade für sozial stark belastete Menschen sein können. Dass bereits kurze Gespräche von etwa 20 Minuten spürbar entlasten können, ist besonders bemerkenswert. Zugleich sehen wir die Silbernetz-Hotline nicht nur als unmittelbare Unterstützung, sondern auch als möglichen Türöffner für weitergehende Hilfen.“
Die Ergebnisse auf Basis von 208 Anrufenden im Alter von 50 bis 93 Jahren zeigen: Menschen, die erstmals bei Silbernetz anrufen, sind im Durchschnitt emotional und sozial einsamer als etwa 95 Prozent der gleichaltrigen Bevölkerung. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass bereits kurze Gespräche von rund 20 Minuten Einsamkeit bedeutsam verringern können. Trotz dieser Verbesserungen bleibt das Einsamkeitsniveau der Anrufenden hoch.
Die Ergebnisse unterstreichen damit zweierlei: Die Silbernetz-Hotline erreicht Menschen, die besonders schwer erreichbar sind, und kann mit kurzen Gesprächen erste wichtige Impulse auf dem Weg aus der Einsamkeit setzen.
Die Ergebnisse des Projekts „Reichweite und Wirkung der Silbernetz-Hotline“ (ReWiSil Projektseite: https://www.dza.de/forschung/aktuelle-projekte/evaluationsprojekt-reichweite-und-wirkung-der-silbernetz-hotline-rewisil) werden am 24. Juni 2026 im Rahmen der Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ in Berlin vorgestellt (Link zum Livestream: https://www.youtube.com/watch?v=FU5L4pai-gM) und sind in der Broschüre „Einfach mal reden – Reichweite und Wirkung der Silbernetz-Hotline gegen Einsamkeit“ nachzulesen (https://doi.org/10.60922/nfbv-gz74).
Das Deutsche Zentrum für Altersfragen ist Mitglied in der Allianz gegen Einsamkeit (https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/engagement-und-gesellschaft/allianz-gegen-einsamkeit)