19.04.2012

Lebenszeit, Weisheit und Selbsttranszendenz

Prof. Dr. em. Jochen Brandtstädter
Universität Trier

Wie jeder Lebensprozess bringt das Älterwerden neben unerwünschten Veränderungen auch Gewinne mit sich; Gelassenheit angesichts alltäglicher Widrigkeiten, Sensibilität für die Grenzen des Wissens, lebenspraktisches Wissen, ein Gespür für „wesentliche Dinge“ des Lebens, damit verbunden auch die Überwindung einer egozentrischen Lebensorientierung – dies alles sind Fähigkeiten und Einstellungen, die z.T. unserem intuitiven Verständnis von Weisheit nahekommen, und die zumeist mit gesammelter Lebenserfahrung und insofern mit der zurückgelegten Lebenszeitstrecke in Zusammenhang gebracht werden. Es sprechen allerdings gute theoretische Gründe dafür, dass auch das Schwinden subjektiver Lebenzeitreserven das Entstehen weisheitsaffiner Haltungen begünstigt. Unser Handeln ist wesentlich zukunftsgerichtet und schließt im Allgemeinen die Annahme ein, intendierte Handlungsfolgen auch selbst erleben zu können. Wird die Voraussetzung des eigenen Vorhandenseins in der Zukunft fraglich, so kann dies auf verschiedene Weise die Entstehung „weisheitsaffiner“ Haltungen, zugleich auch die Auflösung individualistisch-selbstzentrierter Einstellungen begünstigen.


Adresse

Deutsches Zentrum für Altersfragen
Raum 313
Manfred-von-Richthofen-Straße 2
12101 Berlin
Deutschland

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