Die Babyboomer - eine aktive Generation: erwerbstätig, engagiert, pflegend


Die Babyboomer – die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1955 und 1964 – wuchsen in einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche auf: Insbesondere Frauen erhielten in zuvor ungekanntem Umfang Zugang zum Bildungssystem. Gleichzeitig gab es strukturelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, das Modell des männlichen Ernährers neigte sich dem Ende zu, es gab wirtschaftliche Umbrüche und Krisen. Wie hat sich dies auf das Erwerbsverhalten, das ehrenamtliche Engagement und die Fürsorgetätigkeiten dieser Generation(en) ausgewirkt? Und was bedeutet dies für ihre materielle Lage? Diesen Fragen gingen Ulrike Ehrlich und Claudia Vogel vom Deutschen Zentrum für Altersfragen nach. Und sie stellten fest: die Babyboomer sind eine aktivere Generation als die Jahrgänge der Nachkriegszeit: Sie sind in höheren Anteilen erwerbstätig, sie sind häufiger engagiert und übernehmen genauso häufig Pflegeaufgaben. Ihre materielle Lage unterscheidet sich jedoch kaum von der Vorgängergeneration. Auch sind noch immer Frauen diejenigen, die häufiger unbezahlte Pflegeaufgaben übernehmen.

Auf Basis von Daten des Deutschen Alterssurveys aus den Jahren 2014 und 2002 wurden die jeweils 50- bis 59-Jährigen aus der Babyboomer- (1955 – 1964) und der Nachkriegsgeneration (1943 – 1952) verglichen.
Im Alter von 50 bis 59 Jahren sind Babyboomer zu deutlich höheren Anteilen erwerbstätig als die früher geborene Nachkriegskohorte in diesem Alter. Insbesondere die Frauenerwerbstätigkeit zeigt einen starken Zuwachs um mehr als 10 Prozentpunkte (von rund 69% auf rund 81%), teilweise bei der Teilzeitbeschäftigung. Bei den Männern fällt der Zuwachs geringer aus (Anstieg von rund 78% auf rund 84%). Sehr deutliche Zuwächse gibt es auch im ehrenamtlichen Engagement. Bei den Frauen wuchs der Anteil der Engagierten von rund 12% auf 24%, bei den Männern von rund 18% auf rund 28%. Pflegeaufgaben übernehmen die Babyboomer ähnlich häufig wie die Nachkriegsgeneration, allerdings pflegen anteilig mehr als doppelt so viele Frauen dieser Altersgruppe als Männer (für die Babyboomer: 7,6 % der Frauen; 3,1% der Männer). Ein sozialer Wandel der geschlechtsspezifischen Aufteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit hat sich nur teilweise vollzogen – zwar sind deutlich mehr Frauen erwerbstätig, aber nicht selten nur in Teilzeit, und noch immer übernehmen hauptsächlich sie die unbezahlten Pflegetätigkeiten.

In Bezug auf die materielle Lage gibt es nur geringe Unterschiede zwischen den verglichenen Generationen, inflationsbereinigt standen allen untersuchten Gruppen durchschnittlich um die 1900 Euro/Monat zur Verfügung. In beiden Generationen sind Frauen eher von Einkommensarmut betroffen als Männer, bei den Babyboomern sogar etwas mehr als in den Nachkriegsgeburtsjahrgängen.
Untersuchungen innerhalb der Babyboomer -Generation zeigen deutliche Ost-/Westunterschiede in den untersuchten Bereichen auf.

Die ausführlichen Analysen sind veröffentlicht in:
Ulrike Ehrlich & Claudia Vogel (2018): Babyboomer in Deutschland. Erwerbsverhalten, ehrenamtliches Engagement, Fürsorgetätigkeiten und materielle Lage. In: DZA aktuell, Deutscher Alterssurvey, Heft 01 /2018. Deutsches Zentrum für Altersfragen (Hrsg.).
https://www.dza.de/informationsdienste/dza-aktuell.html

Die Ergebnisse beruhen auf dem Deutschen Alterssurvey (DEAS) aus dem Jahr 2002 und 2014, einer bundesweit repräsentativen Studie der 40- bis 85-jährigen Wohnbevölkerung. Der DEAS wird seit 1996 in regelmäßigen Abständen unter wissenschaftlicher Leitung des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) durchgeführt. Gefördert wird die Studie durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)