27.04.2017

Hohe Jobzufriedenheit trotz steigender Belastungen bei älteren Arbeitskräften

Im Zuge der demografischen Entwicklung und der Anhebung des Renteneintrittsalters steigt der Anteil älterer Arbeitskräfte. Zugleich ändern sich durch den technologischen Wandel und die Flexibilisierung der Arbeitswelt die Anforderungen und Arbeitsformen rasant. Wie erleben die älteren Erwerbstätigen ihre Arbeitssituation? Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys geben dazu anlässlich des Tags der Arbeit interessante Antworten.

In der deutschlandweiten Befragung des Deutschen Zentrums für Alterfragen aus dem Jahr 2014 äußerten mehr als vier Fünftel der 55- bis 65-jährigen Erwerbstätigen eine hohe Arbeitszufriedenheit. Im Vergleich zu früheren Jahren gab es keinen Rückgang der Arbeitszufriedenheit. Wie schon in den Jahren 2002 und 2008 sind auch im Jahr 2014 rund 85 Prozent der älteren Arbeitskräfte mit ihrer beruflichen Situation zufrieden oder sehr zufrieden.

Dies überrascht etwas, da im selben Zeitraum die empfundenen Arbeitsbelastungen spürbar zugenommen haben. So fühlt sich im Jahr 2014 nahezu ein Drittel (34 %) der 55- bis 65-jährigen Erwerbstätigen stark belastet von körperlich anstrengenden oder einseitigen Arbeitsanforderungen. Im Jahr 2002 war es nur ein Viertel (26 Prozent). Auch die Stressbelastung ist hoch. Fast die Hälfte (48 Prozent) der älteren Arbeitskräfte ist ziemlich oder sehr belastet durch starken Arbeits- oder Termindruck und nervliche Anspannungen.

Offenbar gelingt es den älteren Arbeitskräften bislang jedoch mehrheitlich, mit den gestiegenen Anforderungen und Belastungen umzugehen und sich die Zufriedenheit mit dem Job zu bewahren. Dennoch zeigen die Befunde, dass mehr Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Belastungen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu reduzieren. Durch bessere Bedingungen für ein alternsgerechtes Arbeiten kann ein längerer Verbleib im Erwerbsleben nachhaltig gestützt werden.

Datengrundlage Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Langzeitstudie des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) zum Wandel der Lebenssituationen und Alternsverläufe von Menschen, die sich in der zweiten Lebenshälfte befinden. Grundlage sind bundesweit repräsentative Befragungen im Quer- und Längsschnitt von jeweils mehreren Tausend Personen im Alter ab 40 Jahren. Das interdisziplinär angelegte Surveyprogramm DEAS enthält umfassende Informationen zur sozialen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Lebenssituation sowie zu subjektiven Sichtweisen und Lebenspläne älter werdender und alter Menschen in Deutschland. Weitere Befunde finden Sie in: Altern im Wandel. Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey (DEAS), herausgegeben von Katharina Mahne, Julia K. Wolff, Julia Simonson und Clemens Tesch-Römer, unter http://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-658-12502-8

 

20.03.2017

Ältere bewerten ihr Wohnumfeld und ihre Nachbarschaftsbeziehungen positiv

Für die meisten Menschen bedeutet ein gutes Leben im Alter, dass sie solange wie möglich selbstständig in der eigenen Wohnung und der vertrauten Umgebung leben können. Ob sich dieser Wunsch verwirklichen lässt, hängt nicht nur davon ab, wie die eigene Wohnung ausgestattet ist, sondern ganz entscheidend auch vom Wohnumfeld. Dazu gehört die Versorgung mit Ärzten genauso wie die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr oder das Verhältnis zu den Nachbarn. Der aktuelle Report Altersdaten beleuchtet diese Themen unter Verwendung von Daten des Deutschen Alterssurveys (DEAS) und betrachtet dabei die Gruppe der 40- bis 85-Jährigen, also Menschen im mittleren und höheren Lebensalter.

Viele 40- bis 85-Jährige sind mit der Versorgung in ihrem Umfeld zufrieden

Mehr als 40 Prozent dieser Altersgruppe sind der Ansicht, dass das Angebot an Einkaufsmöglichkeiten ausreichend sei und nur 6 Prozent sehen sich unzureichend mit Ärzten und Apotheken im Wohnumfeld versorgt. Jeder Dritte ist mit der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr zufrieden.

Begegnungsstätten und Mehrgenerationenhäuser als Treffpunkte für Seniorinnen und Senioren

Die bekanntesten und am häufigsten genutzten seniorenspezifischen Angebote am Wohnort sind die Begegnungsstätten für Seniorinnen und Senioren und Mehrgenerationenhäuser. Knapp drei Viertel der 40- bis 85-Jährigen kennen ein solches Angebot und 9 Prozent nutzen dieses auch. Kleine

Hilfen unter Nachbarn sind beliebt

Die meisten 40- bis 85-Jährigen können auf Hilfe aus der Nachbarschaft zurückgreifen, wenn es um kleine Hilfeleistungen und Gefälligkeiten geht: 88,9 Prozent der Befragten geben an, zwei oder mehr Nachbarinnen oder Nachbarn um eine Gefälligkeit bitten zu können. Allerdings haben Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und daher besonders auf solche Unterstützung angewiesen sind, deutlich seltener Menschen in ihrer Nachbarschaft, die sie um einen Gefallen bitten können.

Weitere Ergebnisse zum Thema finden Sie im aktuellen Report Altersdaten „Wohnumfeld und Nachbarschaftsbeziehungen in der zweiten Lebenshälfte“, der zum kostenlosen Download bereit steht unter:
https://www.dza.de/fileadmin/dza/pdf/Report_Altersdaten_Heft_1_2017.pdf

Weitere Befunde aus dem Deutschen Alterssurvey, einer Studie, die alle drei Jahre vom Deutschen Zentrum für Altersfragen durchgeführt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, finden Sie unter https://www.deutscher-alterssurvey.de

 

15.02.2017

DZA beteiligt sich an Internetportal demowanda.de zum demografischen Wandel in der Arbeitswelt

Schon heute lässt der demografische Wandel die Erwerbsbevölkerung älter werden. In Zukunft wird auch die Zahl der Arbeitskräfte abnehmen. Um darzustellen, welche demografischen und gesellschaftlichen Entwicklungen die Arbeitswelt von morgen beeinflussen, entwickelten sechs Ressortforschungseinrichtungen des Bundes, darunter das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA), das gemeinsame Internetportal demowanda.de. Im Rahmen der gemeinsamen Arbeitsweltberichterstattung soll das Portal die Öffentlichkeit informieren und der Politik als Beratungsinstrument dienen.

Mit ressortübergreifenden Fachinformationen gibt demowanda.de einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in verschiedenen Lebensbereichen, die die Arbeitswelt beeinflussen. Das Portal gliedert sich in die sechs Themenbereiche "Bevölkerung", "Bildung", "Arbeitsmarkt", "Arbeitsbedingungen", "Gesundheit" und "Arbeit im Alter". Sie sollen den arbeitsweltbezogenen Kontext des demografischen Wandels in seiner Komplexität deutlich machen. Es bietet damit aktuelle und übersichtlich aufbereitete Informationen, weiterführende Literaturhinweise, Grafiken und Kontaktadressen und richtet sich an Interessenten aus Wissenschaft, Medien und Politik sowie der breiten Öffentlichkeit. Akteure aus Politik und Praxis finden hier differenzierte Hintergrundinformationen, um die Rahmenbedingungen gesunder und produktiver Arbeit anzupassen und weiterzuentwickeln.

So zeigen etwa die Ergebnisse des vom DZA durchgeführten Deutschen Alterssurveys einen wachsenden Anteil an Personen, die im Ruhestand erwerbstätig sind. Waren es im Jahr 2002 etwa 6 Prozent, kletterte ihr Anteil im Jahr 2014 auf rund 12 Prozent. Höher Qualifizierte sind dabei doppelt so häufig wie gering Qualifizierte trotz Bezugs einer Altersrente oder Pension weiterhin erwerbstätig.

Unter der Federführung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ermöglichen das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA), das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und das Robert Koch-Institut (RKI) mit dem Internetportal demowanda einen leichten Zugang zu empirisch gesichertem Wissen verschiedener Forschungsgebiete im Themenfeld ‚Demografischer Wandel und Arbeitswelt'.

Das Portal "demowanda. Demografischer Wandel in der Arbeitswelt - ein fachübergreifendes Monitoring" gibt es im Internet unter der Adresse www.demowanda.de.

15.12.2016

Migrationsbiografie wirkt sich auf materielle Situation & Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte aus

Immer mehr Zuwandererinnen und Zuwanderer, die bereits seit Jahrzehnten in Deutschland leben, befinden sich inzwischen in der zweiten Lebenshälfte. Aktuelle Auswertungen des Deutschen Alterssurveys (DEAS) zeigen die Situation der Personen im Alter von 40 bis 85 Jahren und beleuchten die Unterschiede zwischen verschiedenen Migrantengruppen. Es zeigt sich, dass sich die Lebenssituationen je nach Zuwanderungsbiografie deutlich unterscheiden. Einige Migrantengruppen sind sozio-ökonomisch, aber auch gesundheitlich stärker benachteiligt als andere.

Arbeitsmigrantinnen und -migranten in der zweiten Lebenshälfte besonders häufig von Armut betroffen

Migrantinnen und Migranten, die im Zuge der Arbeitskräfteanwerbung bis Ende der 1970er Jahre zugwandert sind, leben seit mehr als 40 Jahren in Deutschland. Da sie häufig im Niedriglohnsektor und mit Erwerbsunterbrechungen beschäftigt waren, sind sie in der zweiten Lebenshälfte materiell oft schlecht gestellt: So leben 37 Prozent in Haushalten mit einem Einkommen von weniger als 60 Prozent des bundesweiten Durchschnitteinkommens. Die Armutsquoten anderer Migrantengruppen fallen zwar geringer aus, sind aber im Vergleich zu deutschen Staatsangehörigen ohne Migrationshintergrund (10 Prozent) ebenfalls hoch: (Spät-)-Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler (27 Prozent), Zugewanderte aus westlichen Ländern und Ländern der EU (19 Prozent).

Arbeitsmigrantinnen und -migranten und (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler häufiger gesundheitlich eingeschränkt und sportlich seltener aktiv

Arbeitsmigrantinnen und -migranten sowie (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler im Alter ab 40 Jahren sind stärker gesundheitlich eingeschränkt, leiden häufiger unter depressiven Symptomen und treiben seltener Sport als Menschen ohne Migrationshintergrund. Etwa 40 Prozent der Arbeitsmigrantinnen und -migranten und 36 Prozent der (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler berichten über depressive Symptome. Zugewanderte aus westlichen Ländern und Ländern der EU sind ebenso wie deutsche Staatsangehörige ohne Migrationshintergrund deutlich seltener betroffen: 28 bzw. 27 Prozent. Und während nur 16 Prozent der Arbeitsmigrantinnen und -migranten mindestens einmal wöchentlich sportlich aktiv sind, berichten in den anderen Zuwanderergruppen mehr als 25 Prozent über regelmäßige sportliche Aktivitäten.

Migrantinnen und Migranten in der zweiten Lebenshälfte gut in die Familie eingebunden

(Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler und Arbeitsmigrantinnen und -migranten leben sehr viel häufiger mit ihren volljährigen Kindern zusammen und erhalten zu höheren Anteilen materielle Zuwendungen von ihren Kindern als Zugewanderte aus westlichen und EU-Ländern. Zuwanderinnen und Zuwanderer verbringen unabhängig von ihrer Herkunftsbiografie weniger Zeit im Freundeskreis als das bei Gleichaltrigen ohne Migrationshintergrund beobachtet wurde.

Datengrundlage

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) ist eine bundesweit repräsentative Studie zu Personen ab dem 40. Lebensjahr. Sie wird seit 1996 unter wissenschaftlicher Leitung des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) durchgeführt. Die veröffentlichten Befunde basieren auf Befragungen der 40- bis 85-jährigen Wohnbevölkerung Deutschlands in den Jahren 2008 und 2014. Gefördert wird die Studie durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Diese und weitere Befunde finden Sie in Altern im Wandel. Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey (DEAS), herausgegeben von Katharina Mahne, Julia K. Wolff, Julia Simonson und Clemens Tesch-Römer, unter
http://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-12502-8_24

Weitere Ergebnisse sind zudem im Datenreport 2016 nachzulesen, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt & Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, unter http://www.bpb.de/nachschlagen/datenreport-2016/225926/lebenssituation-aelterer-...

 

02.12.2016

Freiwilliges Engagement im Ruhestand – Bildung und Gesundheit machen den Unterschied

In Deutschland engagieren sich Menschen aller Altersgruppen freiwillig oder ehrenamtlich. Die aktuellen Daten des Freiwilligensurvey 2014 zeigen, dass insgesamt 43,6 Prozent der Bevölkerung engagiert sind. Doch was Engagement begünstigt oder erschwert, kann sehr unterschiedlich sein. Eine besondere Rolle spielen die Bildung und die Gesundheit.

Engagement ist voraussetzungsvoll

Mit einem hohen Bildungsgrad fällt es leichter sich über Möglichkeiten für ein freiwilliges Engagement zu informieren, und mit höherer Bildung sind Qualifikationen verbunden, die auch für das Engagement nützlich sein können. Nicht zuletzt geht mit hoher Bildung oft auch eine bessere finanzielle Situation einher und damit die Möglichkeit, den finanziellen Aufwand, den eine freiwillige oder ehrenamtliche Tätigkeit eventuell auch mit sich bringt, zu tragen. Eine andere wichtige Ressource ist die Gesundheit: Wer gesundheitlich stark eingeschränkt ist, ist weniger in der Lage sich für andere zu engagieren.

Engagement ermöglicht soziale Teilhabe und Lernerfahrungen

Es ist bekannt, dass das Ausüben einer freiwilligen Tätigkeit nicht nur Einiges voraussetzt, sondern den Menschen, die sich engagieren, auch Manches gibt. Freiwilliges Engagement ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe, das Mitgestalten der Gesellschaft und das Zusammensein mit anderen – was sich wiederum positiv auf das eigene Wohlbefinden auswirken kann. Zudem eignen sich viele im Rahmen des Engagements neue Fähigkeiten an, die auch in anderen Lebensbereichen nützlich sind.

Engagement im Ruhestand hängt von Gesundheit und Bildung ab

Insgesamt 34,0 Prozent der Menschen ab 65 Jahren üben eine freiwillige Tätigkeit aus. Differenzierter betrachtet ergibt sich folgendes Bild: Personen ab 65 Jahren mit hoher Bildung und ohne gesundheitliche Einschränkungen engagieren sich zu 55,4 Prozent, während sich Personen derselben Bildungsgruppe, die stark gesundheitlich eingeschränkt sind, nur zu 24,4 Prozent freiwillig engagieren. Bei niedriger Bildung und ohne gesundheitliche Einschränkungen sind es 31,3 Prozent, bei Personen mit starken gesundheitlichen Einschränkungen in dieser Bildungsgruppe nur 12,7 Prozent. Menschen mit hoher Bildung verfügen also möglicherweise eher über Ressourcen, die es ihnen ermöglichen, sich trotz Einschränkungen zu engagieren.

Um die Möglichkeiten für Engagement und soziale Teilhabe im Ruhestand zu verbessern, sollten Angebote für freiwilliges Engagement so gestaltet werden, dass sie auch für Menschen im höheren Lebensalter zugänglich sind, die nicht über eine hohe formale Bildung verfügen.

Datengrundlage

Der Deutsche Freiwilligensurvey (FWS) ist eine repräsentative Befragung zum freiwilligen Engagement in Deutschland, die sich an Personen ab 14 Jahren richtet. Im Jahr 2014 wurde die vierte Welle der Befragung
durchgeführt. Die wissenschaftliche Leitung liegt seit dieser Welle beim Deutschen Zentrum für Altersfragen. Gefördert wird der Survey aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Der Bericht "Freiwilliges Engagement in Deutschland – Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014" ist als Buch und als open access Publikation erhältlich: Julia Simonson, Claudia Vogel & Clemens Tesch-Römer (Hrsg.) (2017). Freiwilliges Engagement in Deutschland – Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden: Springer VS.
http://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-658-12644-5

 

29.09.2016

Deutscher Alterssurvey zeigt Wandel des Alters

Vor 26 Jahren erklärte die UNO-Generalversammlung im Rahmen des Weltaltenplans den 1. Oktober zum „Internationalen Tag der älteren Menschen“. Seit 1996 liefert der Deutsche Alterssurvey (DEAS), eine Langzeitstudie über Menschen im Alter ab 40 Jahren, detaillierte Informationen über die zweite Lebenshälfte in Deutschland. Die Daten von 1996 bis 2014 zeigen: Der Blick aufs eigene Älterwerden ist positiver geworden, auch wenn es nach wie vor problematische Aspekte gibt.

Altersbilder werden positiver Zwar sind etwa zwei Drittel (64,8 Prozent) der Menschen in der zweiten Lebenshälfte der Ansicht, dass das Älterwerden mit körperlichen Verlusten einhergeht. Fast drei Viertel (73,1 Prozent) allerdings verbinden das eigene Älterwerden mit persönlicher Weiterentwicklung. In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Altersbilder zudem zum Positiven verändert: Damit verbinden weniger Ältere das Älterwerden mit Verlusten als noch im Jahr 1996. Und der Anteil derjenigen, die Gewinne mit dem Älterwerden verbinden, ist im gleichen Zeitraum noch gestiegen.

Ältere sind nicht einsamer als Jüngere

Entgegen häufig geäußerten Vorurteilen sind Ältere nicht häufiger von Einsamkeitsgefühlen betroffen als Menschen im mittleren Lebensalter. Während sich etwa jede zehnte Person im Alter von 40 bis 69 Jahren einsam fühlt, sind es bei den 70- bis 85-Jährigen nur 7 Prozent. Vielmehr als das Alter scheint die soziale Eingebundenheit für Einsamkeitsgefühle verantwortlich zu sein: Menschen, die wenige Personen haben, die sie um Rat oder Trost fragen könnten, berichten häufiger von Einsamkeit als Menschen, die auf eine größere Anzahl von unterstützenden Beziehungen bauen können.

Monatliche Wohnkostenbelastung ist bei älteren Mietern besonders hoch

Der Anteil des Haushaltseinkommens, den Mieterinnen und Mieter für die Miete und die Nebenkosten ausgeben, beträgt nach Ergebnissen der letzten Befragung 35,1 Prozent und ist damit seit 1996 um sieben Prozentpunkte gestiegen. Besonders hoch ist die finanzielle Belastung derzeit für Mieterinnen und Mieter im Alter von 70 bis 85 Jahren (37,8 Prozent des Haushaltseinkommens). Eine relativ niedrige Wohnkostenbelastung haben Haushalte, die im schuldenfreien Wohneigentum leben (16,0 Prozent). Dennoch bewertet die große Mehrheit (92,0 Prozent) der 70- bis 85-Jährigen derzeit ihre Wohnsituation insgesamt als gut.

Nachzulesen sind diese und weitere Ergebnisse im Bericht ‚Altern im Wandel – Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey (DEAS)‘, der vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erstellt wurde. Er steht zum kostenlosen Download unter http://www.dza.de/forschung/deas bereit und ist in Kürze als Buchpublikation (open access) bei Springer VS erhältlich.
Zudem werden die Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys (DEAS) am 5.10.2016 im Rahmen einer gemeinsamen Tagung des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in Berlin vorgestellt (http://www.bagso.de/veranstaltungen/deas.html).

 

13.06.2016

Immer mehr Menschen arbeiten auch im Ruhestand

Die neuesten Ergebnisse des Deutschen Alterssurveys (DEAS) wurden Anfang Juni 2016 von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig und Prof. Dr. Clemens Tesch-Römer (Deutsches Zentrum für Altersfragen) vorgestellt. Im DEAS werden seit 1996 Menschen zu ihrer Lebenssituation in der zweiten Lebenshälfte befragt, er ist die wichtigste Langzeitstudie über das Altern in Deutschland.

Ältere Menschen sind immer länger erwerbstätig und arbeiten häufiger über den Rentenbeginn hinaus. Vor 20 Jahren waren 5 Prozent der Menschen im Ruhestand erwerbstätig, heute sind es 12 Prozent. Projektleiterin Dr. Katharina Mahne erläutert: „Dabei sind es selten nur materielle Gründe, die die Älteren dazu bewegen zu arbeiten. Gleichzeitig ist bedenklich, dass immer mehr Menschen kein direkter Übergang vom Erwerbsleben in die Rente gelingt, sondern sie vor dem Ruhestand eine Phase der Arbeitslosigkeit erleben.“

Das bisschen Haushalt… – Bei der Aufteilung der Hausarbeit hat sich wenig geändert

Obwohl die Erwerbsbeteiligung der Frauen steigt, hat sich wenig bei der Aufteilung der Hausarbeit getan. Für Frauen steigt somit auch die Mehrfachbelastung durch Erwerbsarbeit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Hausarbeit. Frauen sind selbst dann, wenn beide Partner in Vollzeit erwerbstätig sind, in fast der Hälfte der Fälle für die Hausarbeit zuständig. Es gibt viele Verbesserungen im Alter, aber auch problematische Entwicklungen Ältere Menschen sind heute aktiver als vor 20 Jahren: Sie engagieren sich häufiger ehrenamtlich, sie treiben mehr Sport und sind mehrheitlich sozial gut eingebunden. Trotz wachsender Wohnentfernungen zwischen Eltern und erwachsenen Kindern zeichnen sich die Beziehungen durch häufigen Kontakt aus und werden als eng beschrieben. Zudem wird das soziale Netzwerk zunehmend um Freundinnen und Freunde erweitert, die ebenfalls Rat und Trost spenden können. Kein Wunder also, dass die Vorstellungen über das eigene Älterwerden positiver geworden sind und ältere Menschen sich nicht einsamer fühlen als jüngere.
Bedenklich dagegen ist, neben den weiterhin bestehen Unterschieden zwischen den Geschlechtern, der Einfluss der Bildungsniveaus: „Menschen mit niedriger Bildung sind weniger gesund, neigen eher zu Depressionen und sind materiell schlechter gestellt als Menschen mit hoher Bildung. Die Bildungsungleichheit zieht sich bis ins hohe Alter: seit 1996 gibt es eine starke Zunahme der Einkommensarmut bei Personen mit niedrigem Bildungsniveau“, sagt Prof. Dr. Clemens Tesch-Römer, Leiter des Deutschen Zentrums für Altersfragen.

Die zukünftigen Alten: mit neuen Stärken – vor neuen Herausforderungen

Für die jüngeren Altersgruppen gilt: Sie sind höher gebildet als die Vorgängergenerationen und ihre Bereitschaft zur beruflichen Mobilität ist hoch. Jedoch sind ihre Erwerbsverläufe vielfältiger und brüchiger im Vergleich zu denen der Älteren – auch aufgrund des veränderten Arbeitsmarktes. Dies wird sich auch auf ihre Rentenhöhe im Alter auswirken.
Auch nimmt in den jüngeren Altersgruppen der Anteil der Menschen ohne Partnerin oder Partner zu, Partnerschaften sind weniger stabil und es gibt mehr Kinderlose. Inwieweit Freundschaften im Alter den Bedarf an Rat, Trost und Unterstützung auffangen können, bleibt abzuwarten.

Der Bericht ‚Altern im Wandel – Zwei Jahrzehnte Deutscher Alterssurvey (DEAS)‘ wurde vom Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erstellt.

Vollständiger Bericht, Tabellenband und Kurzfassung: www.dza.de/forschung/deas

 


09.05.2016

Das Alter wird bunter und vielfältiger – auch durch alternde Migrantinnen und Migranten

Für den Datenreport 2016 analysierten Dr. Elke Hoffmann und Dr. Laura Romeu Gordo (Deutsches Zentrum für Altersfragen) die Lebenssituation älterer Menschen mit Migrationshintergrund und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Sozialberichterstattung über die demografische und soziale Lage der Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Berücksichtigt wurden dabei Daten des Mikrozensus, des Deutschen Alterssurveys (DEAS) und des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP).

Migrantinnen und Migranten sind vergleichsweise jung

Mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren ist die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland deutlich jünger als die Vergleichsgruppe ohne Migrationshintergrund mit durchschnittlich 47 Jahren. Auch unter den heutigen Asylbewerberinnen und -bewerbern befinden sich nur 0,5 Prozent, die 65 Jahre und älter sind, über zwei Drittel sind unter 30 Jahre alt. Aber auch Migrantinnen und Migranten altern. So hat ein großer Teil der in den 1960er bis 1980er Jahren zugewanderten Arbeitsmigrantinnen und -migranten bereits das Ruhestandsalter erreicht. Zunehmend resultiert
aus den praktischen Erfordernissen einer adäquaten gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung dieser Menschen gesellschaftspolitisches und wissenschaftliches Interesse an ihrer Lebenssituation in Deutschland.

Unterschiedliche Migrationsbiografien haben unterschiedliche Lebenswirklichkeiten zur Folge

Die Generation der älteren Migrantinnen und Migranten (50+) besteht, wie Elke Hoffmann ausführt, im Wesentlichen aus zwei Hauptgruppen: „Den (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät )Aussiedlern aus Regionen Mittel- und Osteuropas und den Arbeitsmigrantinnen und -migranten, die nach 1956 auf der Grundlage der Anwerbeabkommen aus den Mittelmeerländern nach Deutschland kamen. Diese beiden Gruppen unterscheiden sich sowohl hinsichtlich demografischer wie auch sozialer Merkmale. Ursache sind im Wesentlichen spezifische Migrationsbiografien und -erfahrungen.“
Beispielsweise haben 67 Prozent der zwischen 1956 und 1973 als Arbeitsmigrantinnen und migranten nach Deutschland zugezogenen Personen, die heute 65 Jahre und älter sind, keinen berufsqualifizierenden Abschluss. Unter den (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedlern derselben Altersgruppe trifft das auf 45 Prozent zu. Ähnliche Differenzierungen zeigen sich bei der finanziellen Situation. Die Ökonomin Laura Romeu Gordo erläutert das für die Altersgruppe ab 65 Jahren im Jahr 2013: „Während für die Personen ohne Migrationshintergrund eine Armutsgefährdungsquote von 12,5 Prozent gemessen wird, sind es bei den (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedlern 27,5 Prozent und bei den Arbeitsmigrantinnen und -migranten sogar 36,5 Prozent.“

Der Datenreport 2016, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt (Destatis), dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und dem Sozio-Oekonomischen Panel (SOEP), wurde am 03. Mai der Öffentlichkeit vorgestellt. Zur Beschreibung von Lebenssituationen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland verknüpft er statistische Daten und sozialwissenschaftliche Analysen.

Weitere Informationen:
http://www.bpb.de/nachschlagen/datenreport-2016/225926/lebenssituation-aelterer-... Der Beitrag „Lebenssituation älterer Menschen mit Migrationshintergrund“ von Elke Hoffmann und Laura Romeu Gordo

 

21.04.2016

Mehr Menschen engagieren sich freiwillig – Spaß und Begegnungen mit anderen sind wichtige Motive

Der Bericht zum Deutschen Freiwilligensurvey 2014 liegt vor. Der wichtigste Befund lautet: Im Jahr 2014 engagieren sich 43,6 Prozent der Wohnbevölkerung in Deutschland ab 14 Jahren freiwillig – das entspricht 30,9 Millionen Menschen.

Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) stellte gemeinsam mit Prof. Dr. Tesch-Römer und Dr. Julia Simonson (beide vom Deutschen Zentrum für Altersfragen) den aktuellen Freiwilligensurvey (FWS) vor. Der Freiwilligensurvey wird bereits seit 1999 – im Abstand von 5 Jahren – erhoben, sodass sich ein Anstieg des Engagements in den letzten 15 Jahren nachzeichnen lässt.

Im Jahr 2014 engagieren sich 43,6 Prozent der Wohnbevölkerung ab 14 Jahren freiwillig. Seit 1999 ist die Engagementquote um knapp zehn Prozentpunkte gestiegen. „Der Anstieg des freiwilligen Engagements betrifft alle Bevölkerungsgruppen, allerdings in unterschiedlichem Maße. So ist die Engagementquote bei den Frauen stärker gestiegen als bei den Männern. Der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern hat sich also verringert“ merkt Clemens Tesch-Römer an, der das Deutsche Zentrum für Altersfragen leitet.

Untersucht wurde auch, was Engagierte motiviert. Am häufigsten geben Engagierte an, ihre Tätigkeit mache ihnen Spaß. Dr. Julia Simonson, Leiterin des Bereichs Forschung am DZA, stellt weitere Beweggründe heraus: „Es engagieren sich aber auch viele, um mit anderen Menschen zusammenzukommen oder um die Gesellschaft mitzugestalten.

Seltener ist das Engagement motiviert durch den Wunsch, Qualifikationen zu erwerben“. Hemmnisse bei der Aufnahme oder Fortführung eines Engagements sollten allerdings nicht außer Acht gelassen werden: Eine schlechte finanzielle Ausstattung, ein niedriges Bildungsniveau oder gesundheitliche Einschränkungen erschweren es, durch Engagement an der Gesellschaft teilzuhaben.

Der Bericht ‚Freiwilliges Engagement in Deutschland – Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014‘ wurde vom
Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erstellt. Die Ergebnisse werden auf einer Tagung am 23.06.2016 vorgestellt und diskutiert.