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Fragestellungen

Immer mehr Menschen können sich über ein immer längeres Leben freuen. Allerdings nimmt mit dem Alter auch die Anzahl von Erkrankungen zu. So zeigen beispielsweise Daten des Deutschen Alterssurvey (DEAS), dass der Anteil an Personen, die an zwei oder mehr Krankheiten leiden, von 39% in der Altersgruppe zwischen 40 und 54 Jahren auf 62% in der Altersgruppen von 55 bis 69 Jahren und schließlich auf knapp 80% in der Altersgruppe der 70- bis 85-Jährigen ansteigt (Wurm & Tesch-Römer, 2006).

Mehrfacherkrankungen gehen oft mit Einbußen in der Lebensqualität und mit einer geringeren Lebenserwartung einher. Allerdings gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Personen. In der Studie PREFER untersuchen wir, ob die Art und Weise, wie eine Person mit ihren Erkrankungen umgeht, wie sie darüber denkt und was sie trotz oder gerade wegen ihren Erkrankungen tut, diese Unterschiede erklären kann.

Dabei interessieren wir uns beispielsweise für krankheitsbezogene Überzeugungen (Leventhal, Brisette & Leventhal, 2003) und dafür, inwieweit sich gesundheitliche Einschränkungen auf die Auswahl und Verfolgung persönlicher Ziele auswirken (Brandtstädter & Rothermund, 2002).

Ein weiterer Schwerpunkt der Studie liegt auf gesundheitlich wichtigen Verhaltensweisen. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass auch bei älteren Menschen mit Mehrfacherkrankungen beispielsweise durch ausreichende körperliche Aktivität einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorgebeugt werden kann und sogar Verbesserungen im Allgemeinzustand erreicht werden können. Deswegen beschäftigen wir uns im Rahmen von PREFER auch mit der Frage, welche Faktoren auf solche Verhaltensweisen einwirken. Dabei orientieren wir uns am aktuellen Stand der gesundheitspsychologischen Forschung und berücksichtigen deshalb motivationale und volitionale Faktoren (d.h. Faktoren, die die Bildung und Umsetzung von Absichten beeinflussen). Zum Beispiel untersuchen wir, welchen Einfluss Selbstwirksamkeit (d.h. die optimistische Überzeugung, bestimmte Verhaltensweisen ausführen zu können; Schwarzer, 2001) auf tatsächliches Verhalten hat.

Auch die persönliche Sicht auf das eigene Älterwerden kann die Gesundheit beeinflussen – Studien legen nahe, dass Menschen mit einer positiven Sicht auf das eigene Älterwerden eher gesundheitsförderliche Verhaltensweisen ausüben (Wurm, Tomasik & Tesch-Römer, in press) und gesünder bleiben (Wurm, Tesch-Römer & Tomasik, 2007).

Persönliche Einstellungen und Gedanken, das Gesundheitsverhalten und die Gesundheit einer Person beeinflussen sich gegenseitig und befinden sich über die Zeit betrachtet in einem ständigen Wechselspiel. So können sich beispielsweise körperliche Einschränkungen auf die eigenen, gesundheitsbezogenen Einstellungen auswirken. Umgekehrt kann sich eine Veränderung in den Einstellungen auf das Verhalten auswirken und auf diese Weise den Gesundheitszustand verbessern helfen. Um diese komplexen Wechselwirkungen erforschen zu können, ist PREFER eine Längsschnittstudie mit mehreren Messzeitpunkten über etwa ein Jahr hinweg.

Ziel der Studie ist es, Anhaltspunkte dafür zu finden, wie ältere Menschen mit Mehrfacherkrankungen ihr Gesundheitsverhalten und ihren Gesundheitszustand aufrechterhalten und verbessern können. Aus den Befunden lassen sich Ansatzpunkte für Interventionen ableiten, mit denen ältere Menschen darin unterstützt werden können, trotz Erkrankungen ein Leben mit guter Lebensqualität und Autonomie zu führen.

Untersuchungsmodell der StudieAbbildung: Untersuchungsmodell der Studie



Referenzen

  • Brandtstädter, J., & Rothermund, K. (2002). The life-course dynamics of goal pursuit and goal adjustment: A two-process framework. Developmental Review, 22(1), 117-150.
  • Leventhal, H., Brissette, I., & Leventhal, E. A. (2003). The common-sense model of self-regulation of health and illness. In L. D. Cameron & H. Leventhal (Eds.), The self-regulation of health and illness behaviour (pp. 42-65). Howard: Routledge.
  • Schwarzer, R. (2001). Social-cognitive factors in changing health-related behaviors. Current Directions In Psychological Science, 10(2), 47-51.
  • Wurm, S., & Tesch-Römer, C. (2006). Gesundheit, Hilfebedarf und Versorgung. In C. Tesch-Römer, H. Engstler & S. Wurm (Eds.), Altwerden in Deutschland: Sozialer Wandel und individuelle Entwicklung in der zweiten Lebenshälfte (pp. 329-384). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
  • Wurm, S., Tesch-Römer, C., & Tomasik, M. J. (2007). Longitudinal findings on aging-related cognitions, control beliefs, and health in later life. Journals of Gerontology: Series B: Psychological Sciences and Social Sciences, 62(3), P156-p164.
  • Wurm, S., Tomasik, M. J., & Tesch-Römer, C. (in press). On the importance of a positive view on aging for physical exercise among middle-aged and older adults: Cross-sectional and longitudinal findings. Psychology & Health, DOI 10.1080/08870440802311314.


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